WORK RULES – Innenansichten einer Suchmaschine

Stell Dir vor, Du hast Grosses vor, ganz Grosses. Und du brauchst talentierte Leute. Viele richtig talentierte Leute. Dann stellen sich zwei Fragen: Wie rekrutierst Du die Besten und wie behältst Du sie in Deinem Unternehmen? Laszlo Bock, seit 2006 Senior Vice President of People Operations bei Google, beschäftigt sich mit genau diesen Fragen. WORK RULES! ist sein Buch darüber.

Auf der Suche nach den Besten

Wer Bilder von den Büroräumen von Google (mit Kletterwand und Rutschbahn) sieht, erkennt schnell, einiges läuft hier anders als in den meisten Firmen. Ich war immer der Meinung, Google tut dies, weil man sich  gerne modern gibt und schlicht das Geld dafür hat. Doch Laszlo Bock zeichnet ein anderes Bild von Google, ein klar und konsequent durchdachtes.

Als Google 1998 gegründet wurde, bestand es aus zwei Personen in einer Garage. Heute, gerademal 17 Jahre später, arbeiten über 50’000 Menschen in der ganzen Welt bei Google. All diese Menschen mussten rekrutiert werden. In den Jahren 2012 und 2013 hat Google  bis zu 3’000’000 Bewerbungen geprüft und über 10’000 Menschen eingestellt. Hinzu kommt, dass das Unternehmen von Anfang an darauf geachtet hat, nur motivierte, clevere, interessante und leidenschaftliche Menschen eingestellt werden. Für Google war klar, die talentiertesten Menschen werden immer mobiler, sie werden durch die technischen Möglichkeiten immer besser vernetzt sein und sie werden durch Arbeitgeber immer leichter aufzuspüren sein. Und sie haben Erwartungen an das Arbeitsumfeld und die Führung. Die Konsequenz daraus ist, dass alles dafür getan werden muss, dass die Mitarbeiter gerne bei Google arbeiten.

Von Prinzipien, Freiheit und Vertrauen

Man könnte nun davon ausgehen, das man den Besten Software Ingeniueren und Managern einfach ein hohes Gehalt bezahlen muss. Wie Laszlo Bock jedoch zeigt, funktioniert dies auf Dauer nicht. Zwar können Mitarbeiter bei Google über das Bonus-System (das im Buch  beschrieben wird) viel Geld verdienen.  Laszlo Bock geht es jedoch um viel mehr, um Prinzipien:

„The most talented people on the planet want an aspiration that is also inspring. The chellenge for leaders is to craft such a goal.“

(Laszlo Bock, Work Rules!, S. 38)

Um die Prinzipien geht in Work Rules! im Kern. Von den drei Basisthemen Mission, Transparenz und Partizipation über den Umgang mit Menschen und deren Entwicklung, über die Schaffung einer lernenden Organisation, das „Dogfooding“, die Wichtigkeit des Einstellungsverfahrens bis hin die Bewertung von Leistungen (die keiner mag), Bezahlung und Belohnung sowie der Zusammenarbeit zwischen Managern und Softwareentwicklern:

„Take power from your manager and trust your people to run things“

(Laszlo Bock, Work Rules!, S. 118)

Laszlo Bock wurde 1972 im kommunistische Rumänien geboren und floh als Kind mit seiner Familie in die USA. Die Freiheit spielt für ihn sowohl in Bezug auf die Mitarbeiter wie auch auf die Mission von Google:

My personal and professional experience is that if you give people freedom, they will surprise, delight, and amaze you. They will also sometimes disappoint you, but if we were perfect we wouldn’t be human. This isn’t indictment of freedom. It’s just one of the trade-offs.

(Laszlo Bock, Work Rules!, S. 53)

Wisse oder experimentiere

Don?t Trust Your Gut ist ein weiteres Prinzip, deren konsequente Anwendung Laszlo Bock beschreibt. Entscheidung werden basierend auf Fakten getroffen. Entweder diese liegen in Form von anerkannten Gesetzmässigkeiten oder einer wissenschaftlichen Untersuchung vor oder man beschafft sie sich über eine Umfrage oder ein Experiment.

Laslo Bock kennt offensichtlich viele aktuelle aber auch historische Studien. Aber die Personal Operations verwendet einen Grossteil der Energie auf Experimente und Datenauswertung. Dabei werden für Testgruppen von Googlern Küchen umgebaut, unterschiedlich gestaltete Mails verschickt oder Features in Anwendungen eingebaurt. Man führt Umfragen durch und wertet immer wieder  Daten aus. Immer auf der Suche nach Klarheit und Erkenntniss. Mit den über 800 Experimenten die in manchen Jahren durchgeführt wurden gibt Google dem Wort „Suchmaschine“ eine ganz neue Dimension.

WORK-RULES-Datadriven-Descisions

Fundiert, ehrlich und unterhaltsam

WORK RULES! Ist ein fundiertes und praxisahes Buch. Die  beschriebenen wissenschaftlichen Grundlagen (die meisten bekannt) sind anschaulich erläutert ohne zu fest ins Detail zu gehen oder zu langweilen. Laszlo Bock bringt sie aus konkretem Anlass. Und er bleibt dem datenbasierten Ansatz in seinem  Buch treu und belegt seine Aussagen mit Erläuterungen zu Experimenten, Umfragen und Studien. Sämtliche Quellen sind mit Verweis im Text auf das Quellenverzeichnis versehen.
Laszlo Bock beschreibt die bei Google bewährten Praktiken konkret. Es wird dargelegt, welche Leute und Gremien welche Entscheidung treffen, welche Informationen sie bekommen oder wie bei bestimmten Fragestellungen vorgegangen wird. Die Beschreibungen sind ergänzt mit Screenshots und Beispieldokumenten.
Vieles ist überraschend einfach und bereits bekannt aber trotzdem wirksam (z. B.Checklisten, Stubs-Mails oder die Trennung von Zielvereinbarung und Bonnusbewertung). Nicht alles lässt sich 1:1 in anderen Unternehmen übernehmen. Laszlo Bock gibt Hinweise, was zu ändern ist oder was weggelassen werden kann. Er stellt klar, dass Google nicht das erste und einzige  Unternehmen ist oder weist auf Ideen und Erfolge anderer hin.

WORK RULES! ist ein offenes und ehrliches Buch. Mit „It’s not all Rainbows und Unicorns“ widmet Laszlo Bock ein ganzes Kapitel den Fehlern und dem Schweitern.  Er stellt klar, dass niemand Googles Perfomance System wirklich schätzt. Er berichtet von Ängsten, Krisen und von Fehleinschätzungen. Er zeigt Fälle, bei denen das Vertrauen durch Mitarbeiter missbraucht wurde und dem Unternehmen Schaden zugefügt wurde. Und er stellt klar, dass wer sich auf den Weg zu einem  mitarbeiterorientierten Unternehmen macht, mit Schlaglöchern und Steinen rechnen muss:

„Any team or organization trying to implement the ideas advanced in this book will stumble along the way.“

(Lazlso Bock, Works Rules!; S. 334)

Er zeigt auch in anderen Kapiteln, dass Google kein von Anfang an durchdachtes Unternehmen ist sondern vieles durch Ausprobieren und Erfahrungssameln mühsam erarbeitet werden musste. Und das macht das WORK RULES! sympatisch. Laszlo Bock ist nicht guruhaft oder rechthaberisch sondern klar und transparent, er lässt die Leser an den Erfahrungen teilhaben.

WORK RULES! ist unterhaltsam und witzig.  Laszlo Bock wirft gezielt lustige, erstaunliche und nachdenkliche Anekdoten aus dem Arbeitsalltag von Google ein. Da gibt es einen Nachtisch der für politisch unkorrekt gehalten wird und zu Grundsatzdiskussionen führt, einen Mitarbeiter der ellenlange Fragen stellt oder ein raffiniertes, rätselbasiertes Rekruiting-Verfahren das Google die besten Talente  bringen und soll.

„This is a boring book.“

(Anabelle Bock, Work Rules!, S. II)

Bliebt nur zu hoffen, dass Annabelle Bock das Buch ihres Vaters in 15 Jahren, wenn sie in ihr Berufsleben startet,  immer noch langweilig findet, weil dann die meisten Menschen eine Arbeit haben, die sie erfüllt.

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Work Rules! Insights from Inside Google That Will Transform How You Live and Lead (engl.), Laszlo Bock, Hodder And Stoughton Ltd., 2015, ISBN 978-1-4447-9236-2

Website zum Buch Work Rules!

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