Was mich in der Diskussion um Change Management beunruhigt

Begriffe und unser Verständnis dazu

„Wer glaubt, dass ein Projektmanager Projekte managet, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.“ Gleiches könnte man über Change Manager schreiben.

Auch ich zucke innerlich zusammen, wenn jemand von „Change Management“ spricht. Aber Begriffe wie dieser sind nun einmal unscharf. Ich habe auch schon umgekehrt erlebt, dass ein Kunde „Unterstützung im Change Management“ gewünscht hat. Und wir haben uns schnell gefunden. Change Management war schlicht der Begriff, den er für Umgang mit anspruchsvollen Veränderungen nutzte.

So wie wir uns darüber austauschen sollten, was Change Management sein könnte, sind Dialog und Reflexion zu vielen anderen Begriffen, die wir in der Diskussion verwenden, sinnvoll und notwendig. Ich denke da insbesondere an „New Work“, „Partizipation“ und „Selbstorganisation“. Und es gibt viele mehr. In diesem Sinne begrüsse ich den Anstoss zum Austausch über Change Management von intrinsify.me und den Aufruf zur Blogparade. Allerdings hat der initiale Artikel von Marc Poppenborg für mich etwas tief Beunruhigendes.

Old (and bad) and New (and good) Work?

Es gibt zahlreiche Unternehmen, die streng hierarchisch organisiert und top-down und patriarchisch geführt werden. Und das funktioniert. Sie sind erfolgreich. Punkt. Dazu gehören Familienunternehmen, Startups aber auch Grossbetriebe und Konzerne. Alibaba ist eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Es wird geschrieben, dass Jack Ma ein riesiges Ego habe und von militärischem Führungsstil begeistert sei. Wir können das gut finden oder nicht. Es ist so.

Ich bin mit verschiedensten KMUs in Projekten unterwegs, die „klassisch“ geführt werden. Es gibt einen Chef oder eine Unternehmerfamilie die sagt was wie gemacht wird. Und niemand hat damit ein Problem.

Ich Experte, Du …

Systemtheorie (lebendige Systeme) und Konstruktivismus erlauben uns einen anderen Zugang zur Welt. Sie ermöglichen uns, in eingefahrenen Situationen, in komplexen Fragestellungen, in schwierigen Konflikten einen Unterschied und damit einen Schritt zu machen. Der andere Zugang macht diesen Schritt möglich. Er ist nicht der einzig richtige.

„Thomas verschließt die Augen nicht vor der Realität, er kennt die Realität schon gar nicht mehr.“

Aus „Das 8 Phasen Change Management Modell auf dem Weg zu einem erfolgreichen New Work Unternehmen“

Kategorien wie richtig/falsch und Realität/Schein sind in diesem Kontext schwierig. Konstruktivisten lehnen sie gar ab. Wir können lediglich beobachten was in einer bestimmten Situation funktioniert und was nicht. Wir wissen dadurch nicht zwingend, dass das Selbe auch in einer anderen Situation funktionieren wird.

Daher bin ich auch gegenüber Expertentum in diesem Bereich sehr skeptisch.  Was macht die Expertise genau aus? Erfahrung ist zweifellos hilfreich, Theorieverständnis ist notwendig aber eben nicht hinreichend.

Daher wünsche ich mir für den Dialog über Organisationsentwicklung, die Zukunft der Arbeit, Führung und Veränderung mehr Neugier, mehr Demut, mehr gemeinsames Erforschen und mehr Selbstreflextion, insbesondere von den Menschen, die vorneweg gehen wollen oder in der Ausbildung tätig sind.

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